
Pension "Karin" in Betzenstein (Fränkische Schweiz), Hauptstr. 36
Historisches Gebäude aus dem 15. Jahrhundert
Aus einem Zeitungsbericht:
Das rund 500 Jahre alte Gebäude hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Gebaut als Bürgerhaus, fand es später als Rathaus aber auch als Gerichtssitz Verwendung. Zuvor saß das Halsgericht nur unter freiem Himmel auf dem Marktplatz. Die Richtstätte befand sich auf dem Galgenberg, links unweit der Hüller Straße, wie es der Betzensteiner Heimatforscher Anton Buchner beschrieb.
Im Rathaus selbst wurde der größte Raum freigehalten, in dem die Verhandlungen stattfanden. Der "gestrenge Amtsmann" hielt als Zeichen seiner Würde als oberster Gerichtsherr einen Stab in der Hand. Ihm zur Seite saß der oberste Rechtherr, die beiden Gerichtsverwandten un der Gerichtsschreiber. Die Schöffen wurden, ähnlich wie heute, aus den Reihen der ehrbaren und rechtschaffenen Bürger "erkieset". Die heute noch vorhandenen zweigeschossigen Tonnengewölbe im Keller dürften damals wohl als Verliese zur Inhaftierung der Verdächtigen gedient haben. Ein mit einem Gewinde versehener Quader ist als Zeugnis einer Ankettung der Delinquenten zu werten.
In seinen Aufzeichnungen nannte Buchner den Anbau einer herrschaftlichen Pferdestallung im Jahre 1536 als erstes zuverlässiges Datum. 1553 erwarb das Landpflegeamt Nürnberg das Gebäude von der Witwe des verstorbenen Martin Eckarth und schenkte es 1572 der Stadtgemeinde Betzenstein als Rathaus.
Nach diversen Erneuerungen (1663), Reparatur (1767) und wechselnden Besitzern, wurde das alte Rathaus 1797 vom letzten amtierenden Pfleger, Freiherr Stromer von Reichenbach, an den bürgerlichen Schreiner und Krämer Conrad Mayer zu Betzenstein verkauft. Aus dieser Zeit stammt der Name "Rathauskrämer" oder "Krämerschmied". Letztlich fand das Gebäude in der Erbengemeinschaft Thummert neue Besitzer, schien aber dem Verfall geweiht, bis 1982 Karin Heiss das alte Rathaus erwarb, an dem schon seit 100 Jahren keine Hand mehr angelegt worden war.
Die couragierte Frau hatte schon immer einen Faible für antike Möbel und suchte eine passende Bleibe für ihre Exponate. Eine Pension sollte schließlich die Investition amortisieren. Zunächst aber stand ein arbeitsreiches Jahr bevor. Wenig Unterstützung kam von Seite der Kommune. Sie hätte das Altertum lieber dem Erdboden gleich gemacht, Parkplätze erstellt und für eine bessere Zufahrt in die Schlossstraße gesorgt. Wenig kooperativ verhielt sich auch das Landesamt für Denkmalschutz. "Mit- und dreinreden wollte es schon, bei der Frage nach der Übernahme des finanziellen Mehraufwandes wich das Amt immer wieder aus", so Karin Heiss wörtlich. Aber sie hatte inzwischen Gefallen an der Aufgabe gefunden und begann ohne Zuschuss, aber mit viel Elan die Sanierung.
Mit der Freilegung des Fachwerkes und der Spunddecken wurde die ehemalige Schönheit des Gebäudes wieder sichtbar. Zum Glück war das Holz kerngesund. Erschwerend kam allerdings die Entsorgung der Krämerutensilien und die tägliche Pendelei nach Nürnberg hinzu. Fachliche Unterstützung und moralische Aufmunterun kam von Ehemann Lorenz Heiss, der zur gleichen Zeit in Eckenreuth ein altes Bauernhaus in den Rosshof umbaute.
So wurden nach und nach die drei alten Kachelöfen, die Lärchen- und Eichenholzfußböden restauriert, die Hopfendarren erneuert und das Dach mit Bieberschwanzziegeln gedeckt. Fenster, Türen und Treppenhaus abgebeizt, mit Mineralölen eingelassen und der Putz erneuert.
Heute ist das gesamte Gebäude, vor allem aber die portalartige Haustür und das herrliche Fachwerk ein Schmuckstück in Betzenstein.
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